Newsletter 1 / 2019

Liebe Mitglieder, Liebe Sponsoren,

Sie haben sich sicher schon gewundert, seit längerer Zeit keinen Newsletter mehr bekommen zu haben. Eine sicher verständliche Erklärung dafür ist die Tatsache, dass Ereignisse aufgrund der Verschlimmerung des Krieges täglich überholt werden und eine typische Situation eine Woche später schon eine völlig andere sein kann.

Bitte entschuldigen Sie diese Unterbrechung in den von uns sonst regelmäßig gebotenen Informationen und nehmen Sie eine kurze Zusammenfassung des gegenwärtigen status quo zur Kenntnis:

Im Jemen hat im März das fünfte Jahr eines Krieges begonnen, der 2015 durch von Saudi Arabien auf Sana´a abgeworfenen Bomben seinen Anfang genommen hat. In diesen vier Jahren haben verschiedene Herausforderungen die Gefahr eines wesentlich umfangreicheren Kriegsausbruches verschärft, in der Folge leiden seither die meisten jemenitischen Städte unter Stromausfall, extremer Wasser- und Benzinknappheit, verseuchtem Brauchwasser, zerstörten Abwasseranlagen und Gewalttätigkeiten überall. Familien, die ihre Wohnungen auf der Suche nach anderen Herbergen fluchtartige verlassen haben, sehen sich anderenorts mit nicht wesentlich veränderten Bedingungen konfrontiert. Spitäler und Schulen sind in erschreckendem Ausmaß zerstört, können den zunehmenden Bedarf aufgrund der degradierten Infrastruktur nicht mehr decken.      

Martin Griffiths, der Sondergesandte der Vereinten Nationen für Jemen verkündete, dass „trotz des ´beachtlichen´ Fortschritts Jemen unter einer humanitären Krise leide, die von der UN als die schlimmste der Welt beschrieben wird“. Er traf kürzlich sogar mit Houthis in Oman zusammen, um seine Bemühungen fortzusetzen, die Umsetzung des im Dezember 2018 in Schweden geschlossenen Friedensabkommens zu erreichen, die kriegführenden Truppen aus dem besetzten Hodeidah zu verlegen. Die erbitterten Kämpfe gehen jedoch weiter und gefährden alle weiteren Friedensbemühungen.

Die Zahl der Opfer von Landminen und nicht explodiertem Kriegsmaterial hat ein alarmierendes Ausmaß erreicht,  Bemühungen um eine Reduzierung erweisen sich jedoch nach Aussage des Roten Kreuzes als fast unmöglich. Laut Guardian „wurden, vorsichtig geschätzt, seit 2016 60,000 Jemeniten getötet, die Mehrzahl von Bomben der Saudi/VAE Koalition. Die hausgemachte humanitäre Krise wurde außerdem hauptsächlich durch die von dieser Koalition verhängte Blockade verursacht.

Die Situation auf dem Gesundheitssektor verschlimmert sich weiter, die Zahl der Cholerafälle nimmt zu, immer mehr Kinder sind unterernährt, Angriffe auf Spitäler mehren sich. In 22 von den 23 Governements in Jemen eskalierten die Fälle von Cholera aufgrund der Zerstörung von Infrastruktur, Wasserversorgung, Gesundheitswesen und öffentlicher Einrichtungen durch Bombenabwürfe der von Saudi Arabien angeführten Koalition.   

Nach Aussage der “Ärzte ohne Grenzen” belief sich die Gesamtzahl vermuteter Cholerafälle von Jänner 2018 bis Jänner 2019 auf 387,860, mit 526 damit in Verbindung stehenden Opfern, 32.0% davon Kinder unter fünf Jahren. Des Weiteren leiden ca. 360,000 Kinder unter akuter Unterernährung, über 80,000 Kinder sind bereits verhungert, auch hier wieder nach Angaben der World Health Organization (WHO) fast ein Drittel im Alter von fünf Jahren. Außerdem sind immer noch  in Verletzung internationaler humanitärer Gesetze in verschiedenen Gebieten Spitäler Ziele kämpferischer Handlungen. Bei einem Bombenangriff wurden vor ganz kurzer Zeit in der Nähe eines Spitals in Kitaf im Norden Sa´ada´s acht Zivilpersonen getötet, darunter fünf Kinder. Ärzte ohne Grenzen nimmt in Aden keine Patienten in ihrer Klinik mehr auf, weil die Mitarbeiter ernstlich bedroht wurden und ein Patient gekidnappt und umgebracht wurde. Im Gouvernement von Taiz haben intensive Kampfhandlungen zwischen verschiedenen Fraktionen der “Pro Government“ Milizen den Brand des Al Mudafar Spitals ausgelöst. Die Rechnung zahlen jedoch immer nur Zivilpersonen …

Kinder, Frauen und ältere Menschen sind die Hauptleidtragenden dieses Krieges. Statt in die Schule zu gehen werden trotz der internationalen Abkommen zum Schutz des Kindes immer mehr Kinder entweder von den Houthis gezwungen, in den Kampf zu ziehen oder von den Saudis mit Geld an die Grenzen Saudi Arabiens gelockt.

Laut der vom jemenitischen Ministerium für Menschenrechte publizierten Statistiken belief sich die Anzahl der von den Houthis zwischen 2015 und 2018 rekrutierten Kinder auf 10,000.

In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass viele Familien ein dringend benötigtes Einkommen begrüßen, wenn ihre Kinder zum Militärdienst eingezogen werden. Dies gilt in ähnlicher Form für die Verheiratung immer jüngerer Mädchen vor dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestalter, da eine zur anderen Familie gezogene Tochter ein hungriges Familienmitglied weniger ist.

 

Eine kurze Aufzählung weiterer Umstände soll die gegenwärtige trostlose Situation veranschaulichen:

Beamte erhalten seit zwei Jahren ihre Gehälter nicht mehr und finden es immer schwieriger, ihre Familien zu ernähren.

Viele Familienerhalter sind umgekommen oder entlassen worden, als internationale Unternehmen aber auch inländische Firmen ihre Tätigkeit beendeten.

Eine beachtliche Anzahl jemenitischer Bürger hatten in Botschaften und Kulturinstituten gut bezahlte Arbeit gefunden, die sie dann abrupt wieder verloren – als alle Expats das Land verließen.

Verzweifelte Familien, die die Miete nicht mehr bezahlen konnten, zogen zu Verwandten aufs Land, wo ihre Kinder nicht mehr zur Schule gehen können.

Da auch Lehrer seit über zwei Jahren keine Gehälter mehr bekommen, ist das Unterrichtssystem vielerorts total zusammen gebrochen. Außerdem sind jetzt nicht nur Spitäler sondern auch Schulen militärische Ziele geworden. Jüngsten Berichten zufolge haben die Houthis Bomben auf mindestens vier Schulen in Hajja abgeworfen. Nach Angaben der UNICEF „gehen von den 7 Millionen Kindern im Schulalter mehr als 2 Millionen nicht mehr zur Schule, die Infrastruktur ist schwer beschädigt, es steht sehr wenig Lehrmaterial zur Verfügung. Von fünf Schulen kann eine nicht mehr benützt werden, weil sie völlig zerstört ist oder von obdachlosen Familien bewohnt wird“.

Eine sehr traurige Erklärung für die Bombenangriffe ist der Umstand, dass Waffen in den Kellern versteckt aber auch in Rettungsautos hinterlegt werden …

Und dennoch sind so viele Jemeniten unbesiegbar, allen voran die Kinder

Wie im Foto ersichtlich wollen sie unbedingt weiter zur Schule gehen und klettern über Trümmer  zu der Ruine ihrer Schule, um wieder zu lernen.

Also ist es fast ein Wunder, dass die meisten unserer YERO Kinder in Sana´a bleiben konnten und weiterhin zur Schule gehen können, dank der Versorgung mit sauberem Wasser und Nahrungsmitteln für die ganze Familie durch Nouria gesund sind. Dies ist nur mithilfe der zusätzlichen Spenden unserer Sponsoren möglich.  Und Nouria hat auch kein Problem, für die Kinder, die aufs Land ziehen oder heiraten, glückliche Nachfolger zu finden.

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