Eid alFitre

Liebe Mitglieder und Sponsoren,

Nouria ist es – Dank Ihrer Spenden – wieder gelungen, allen YERO Kindern und ihren Familien Nahrungsmittel für Eid alFitre zu schenken und für die Kinder auch neue Bekleidung und Lernutensilien zu besorgen. Die strahlenden Augen mögen auch Ihnen viel Freude bereiten!

Alles Liebe

Anisa

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Newsletter 21

Die Entwicklungen der letzten Wochen sind geprägt von politischer Fragmentierung und aufkommendem Isolationismus, sowie von Verschiebungen in den Allianzen. Der Krieg köchelt dahin, gekämpft wird punktuell an den Grenzen der Houthi-Gebiete. Die Lage vor Hedeidah ist gespannt. Saudiarabien hat es, so der stellvertretende Kronprinz Mohamed bin Salman in einem kürzlichen Interview, nicht eilig und setzt auf Zeit. Es spart die horrenden Kriegskosten des Luftkriegs ein, hält aber die Blockaden von Häfen und Flughäfen aufrecht und bereitet so ein zähes Aushungern der ca. 17 mio Menschen in den Houthi-Gebieten vor.

Die humanitäre Lage:

Ende April fand in Genf eine Geber-Konferenz statt, veranstaltet von UNOCHA sowie den Regierungen von Schweden und der Schweiz. Zwar kamen nicht die als erforderlich errechneten 2,1 Milliarden USD zustande, doch brachten diverse Geberländer immerhin 1,2 Milliarden auf.

Von den 26 Millionen Jemeniten bedürfen derzeit 19 Millionen humanitäre Hilfe und Schutz. UNOCHA und mit ihm diverse internationale Hilfsorganisationen warnen, dass fehlende Mittel zu einer Massen-Hungersnot führen, vor allem unter Kindern, die 40% der jemenitischen Bevölkerung  stellen und für die schwere Entwicklungsstörungen durch Hunger zu befürchten sind. UN-Generalsekretär Guterres sagte drastisch, jede 10 Minuten sterbe ein jemenitisches Kind unter 5 Jahren den Hungertod. Die Hungersnot im Jemen sei derzeit die größte Versorgungskatastrophe weltweit.

Bemerkenswert ist, dass Saudiarabien 150 mio USD zusagte. Die Kriegskosten Saudiarabiens für den Luftkrieg gegen den Jemen beliefen sich auf ca. 200 mio USD täglich.

Hadramauts Alleingang

Am 26. April fand in Mukalla ein Festtag der „einjährigen Befreiung Mukallas von alQaida statt“ (eine typisch jemenitische Scharade, denn al Qaida ist am 26.4.2016 nach Absprache friedlich abgezogen) und in diesem Zusammenhang wurde eine Konferenz unter dem Titel „Jumaa Hadramaut“ (Gemeinsames Hadramaut) abgehalten. Als Ergebnis der Konferenz wurde ein hadramischer Ehrenkodex beschlossen sowie eine Erklärung mit 40 Punktuationen, die ein autonom verwaltetes Gebiet Hadramaut vorbereiten.

Eine Gruppe unter der Führung des Gouverneurs von Hadramaut, Ahmed ben Brik, will damit Präsident Hadi unter Druck setzen, endlich Verhandlungen mit den Houthis zuzustimmen und zu einer Beendigung des Krieges und einer Normalisierung zu gelangen. Falls dies nicht gelingt, will diese Gruppe unter der Führung von Ahmed Ben Brik ein autonomes politisches Gebilde Hadramaut ausrufen und die Kontrolle über Militär, Infrastruktur, Wirtschaft und Verwaltung selbst übernehmen. Hadi hat darauf noch nicht direkt reagiert. Die Proponenten richten sich laut ihrer Erklärung nicht gegen die Besatzungsstaaten Saudiarabien und Emirate und laden Mahra und Schabwa ein, sich zu beteiligen.

Brandherd Aden

Zeitgleich mit den Ereignissen im Hadramaut spitzte sich die Lage in Aden zu. Präsident Hadi entließ per Dekret überraschend den Gouverneur von Aden, Aidrus Zubeidi, und einige Minister, darunter Staatminister Hani ben Brik (nicht verwandt mit Ahmed ben Brik). Letzteren beschuldigte er strafbarer Handlungen und leitete Untersuchungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn ein. Sowohl Zubeidi wie ben Brik sind Volkshelden des Widerstands gegen die Houthis und genießen als solche Anerkennung und Verehrung. Der Entlassung von Aidrus Zubeidi folgte eine „Erklärung von Aden“, in welcher dieser eine ähnliche Vorgangsweise für Aden vorschlug wie von den Hadramis für den Hadramaut gefordert. Die Entlassung Zubeidis und ben Briks führte zu massiven Protestaktionen in der Bevölkerung, wobei die Emirate die Stimmung gegen Hadi zu schüren versuchten und die Anhänger der Sezession anstachelten. Hadi warf den Emiraten vor, sich als Besatzer zu gerieren und die Einheit des Jemen zu sabotieren. Emiratische Zeitungen kritisierten Hadi scharf und stellten seine Legitimität in Frage. In der Folge kam es zu einer pro-Hadi und einer pro-Zubeidi-Kundgebung,  wobei die Emirate die pro-Zubeidi-Kundgebung mit ihren Medien und ihrer Infrastruktur zu stützen versuchen. Dennoch kamen zu beiden Kundgebungen nur wenige Teilnehmer, jene für Zubeidi wurden aus alDhale herbeigekarrt. Offensichtlich lassen sich die Adaner für solche Machtdemonstrationen nicht missbrauchen.

Die neue Situation führt auch zu Verschiebungen im Verhältnis zwischen Emiraten und Saudiarabien. Saudiarabien erhält eine stärkere Position als Vermittler. Beide Besatzungsmächte scheinen auf eine Spaltung/Aufteilung  des Jemen hinzuarbeiten.

Dazu meldete sich auch die Islah-Partei zu Wort, die bekanntlich in der derzeitigen Konstellation sehr unter Druck steht. In ihrer Erklärung unterstützt Islah Hadi – ihren einzigen Mentor -, die Einheit des Jemen und Hadis Entscheidung, Abdelaziz alMuflehi zum neuen Gouverneur von Aden zu bestellen. In der Nacht nach Veröffentlichung der Erklärung wurde die Zentrale der Islah-Partei in Aden abgefackelt.

Am 6. Mai traf der neue Gouverneur in Aden ein und wurde von Vertretern der Regierung Hadi begrüßt. AlMuflehi ist Politiker und Geschäftsmann. Er stammt – wie Zubeidi – aus der sezessionistischen Provinz alDhale, hat in Ägypten studiert und war lange in Geschäften in Saudiarabien tätig. Zuletzt war er im Beraterstab Hadis. Bei seiner Ankunft in Aden meinte er, er wolle keine große Politik machen, sondern die Lebensgrundlagen der Adaner verbessern.

Aden Flughafen, 6.6.2017, Ankunft des neuen Gouverneurs Abdelaziz alMuflehi (Mitte, von hinten)

Mukalla, 26.4. 2016, Fest anlässlich der Befreiung von alQaida vor einem Jahr. In der Mitte im beigen Anzug Gouverneur Ahmed ben Brik, strongman der „Jumaa Hadramaut“ (Gemeinsames Hadramaut)

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Eine positive Nachricht aus Sana’a

We have started this year a new class for the very
young kids to prepare  them for school.We teach them everything they need to learn before going to school.It is only once a week  im sending you the photo _ they are so lovely …
NOURIA

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Crimes of the Forgotten War on Yemen

Dear Dr. Anisa,

I would like to share with you a series of videos that were prepared for
the purpose of showing the world some of the crimes being committed by
the Saudi coalition in Yemen. I hope that you would have time to watch
them and to share them with your friends and acquaintances, and maybe
put them up on your organization’s website.

Introduction
عربي
https://youtu.be/YYRxtQuurHM

English

https://youtu.be/aSuUTbAwS6c

Part One

عربي
https://youtu.be/vdgeSkKNJEI

English
https://youtu.be/tPB4VsgHVYs

Part two

عربي
https://youtu.be/si9RcE_vShc

English

https://youtu.be/VGc2ASkLng8

Part Three

عربي
https://youtu.be/5BFWhftZ5h8

English
https://youtu.be/pkIHWXi98pY

Part Four

عربي
https://youtu.be/ZwmKgxiPKIc

English
https://youtu.be/hPtJnyna4WU

Part Five

عربي
https://youtu.be/zJ_gdGGz2_Y

English
https://youtu.be/4EPG8cuA6L8

Looking forward to meeting you soon in Yemen or in Austria,

Osama

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Newsletter 20

Kämpfen um die Vormacht im Jemen (von links): iranischer Präsident Hassan Rohani, Houthi-Führer Abdelmalik alHouthi, Expräsident Ali Abdullah Saleh, Präsident Abdrubbah Mansur Hadi, Präsident der Emirate Mohamed bin Zayed, saudischer König Salman bin Abdelaziz

Die UNO veröffentlichte am 17.2. 2017 den „Final Report of the Panel of Experts on Yemen“, der von einem Expertenpanel auf 242 Seiten die Wirkung der UNSR-Resolutionen 2140 und 2216 untersuchte und beschreibt. Der direkte Bezug auf die UNO-SR-Resolutionen, welche 2014 und 15 einseitig die Interessen der saudischen Koalition und der sogenannten legitimen Regierung vertraten, bewirkt auch eine gewisse Einseitigkeit der Berichte. Einseitigkeit deshalb, weil eben nur die unterstellten Waffenlieferungen des Iran an die Houthi, aber nicht jene der Golfstaaten, der USA und GB für Hadi, an alQaida und salafistische Milizen hinterfragt wurden, weil der Bericht nur die Sanktionen gegen Saleh und seinen Sohn sowie die alHouthi-Spitze untersucht, nicht aber die Finanztransaktionen von Hadi und seines Clans. Dennoch bringt der Bericht wichtige neue Erkenntnisse und Schlussfolgerungen. Vor allem beschreibt er relativ unparteiisch Verletzungen des Kriegsrechts, gegen die Menschlichkeit und der Menschenrechte von allen Kriegsparteien. Die wichtigsten Punkte des Berichts, kurz zusammengefasst:

  • Alle am Krieg beteiligten Länder und auch die Regierung Hadi sind verantwortlich für begangene Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen. Dies ist besonders wichtig, weil sich z.B. Saudi Arabien für den Anschlag auf die Begräbnisfeier in Sana´a mit 150 Toten und 600 Verletzten auf das Versagen eines Einzelnen ausredet. Die Schuldzuweisung  betrifft wohl auch die „Kollateralschäden“ an Zivilisten bei Drohnenanschlägen der USA:     „All States whose forces engage in or otherwise participate in military operations on behalf of the coalition are responsible for all acts committed by persons forming part of its armed forces. These States may not evade their obligations by placing their contingents at the disposal of an ad hoc coalition. All coalition member States and their allies also have an obligation to take appropriate measures to ensure respect for international humanitarian law by the coalition. This obligation is especially incumbent upon the Government of Yemen, upon whose request and with those consent the air strikes are being conducted“. 

    (in deutscher Übersetzung: „Alle Staaten, deren Streitkräfte militärische Unternehmen durchführen oder sich im Namen der Koalition an diesen beteiligen, sind für alle Aktionen verantwortlich, die von Personen durchgeführt werden, die Teil ihrer Streitkräfte sind. Diese Staaten können ihre Verpflichtungen nicht umgehen, indem sie ihre Kontingente einer ad hoc Koalition zur Verfügung stellen. Alle Mitgliedsstaaten der Koalition und ihre Alliierten sind ebenfalls verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu treffen, die Einhaltung internationaler humanitärer Bestimmungen seitens der Koalition zu gewährleisten. Diese Verpflichtung hat insbesondere auch für die Regierung Jemens Geltung, auf deren Ansuchen und mit deren Zustimmung die Angriffe durchgeführt werden.“) Das wird die Regierungen von Marokko und Ägypten freuen, die sich beizeiten aus dem Luftkrieg zurückgezogen haben. Hadi wird sich entsprechend der Empfehlung des Panels eines Tages wohl vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verantworten müssen.

  • Der Luftkrieg der saudischen Koalition hat zwar die jemenitische Infrastruktur verwüstet und die Bevölkerung terrorisiert, aber er hat den Willen der Houthi-Saleh-Allianz nicht gebrochen, den Krieg fortzusetzen.
  • Die Angriffe der Houthi-Saleh auf Schiffe im Roten Meer haben das Risiko einer regionalen Ausweitung des Konflikts erhöht. Die Houthi-Saleh-Allianz hat hohe Kampffähigkeit im Seekrieg bewiesen.
  • Waffentransfer und Waffenschmuggel auf dem Seeweg aus dem Iran an die Houthis ist bisher nicht eindeutig nachweisbar. Es wurden diverse Vorfälle aufgegriffener Waffenladungen auf Schiffen, die von iranischen Häfen im Golf von Aden unterwegs waren, untersucht, jedoch liegt aufgrund der Routen und des überwachten Telefonverkehrs nahe, dass diese Schiffe nach Somalia unterwegs waren. Nachweise, dass iranische Waffen von dort nach dem Jemen verbracht wurden, konnten nicht erbracht werden.
    Der angebliche Waffentransfer vom Iran zu den Houthis wurde zuerst von Israel massiv behauptet und dann wiederholt in Alarmmeldungen publiziert. Saudi Arabien benützt diese „fake news“ seitdem kontinuierlich, um den Krieg gegen den Jemen und die Blockaden von Lieferungen lebensnotwendiger Ressourcen für die Zivilbevölkerung zu begründen.
  • Der Transfer der jemenitischen Zentralbank nach Aden durch die Regierung Hadi hat eine wirkungsvolle „wirtschaftliche Front“ im Krieg eröffnet und die wirtschaftlichen Kapazitäten der Houthi-Saleh-Allianz in der militärischen Weiterführung des Konflikts sowie der Administration der Gebiete unter ihrer Kontrolle empfindlich beschnitten. Gleichzeitig wurden die für die Bevölkerung lebensnotwendigen Ressourcen so sehr eingeschränkt, dass die drohende humanitäre Katastrophe  beschleunigt wird.

Der Bericht nimmt auch Bezug auf die Tätigkeit der sogenannten Hizam-Verbände, die von den Emiraten als ihre eigene Sicherheitstruppen im „befreiten“ Südjemen eingerichtet wurden und in vier Provinzen aktiv sind. Aus der Bevölkerung kommen zahlreiche Klagen über Übergriffe dieser Truppen, Einschüchterungen, Verhaftungen und z.T. auch Folter. Besonders betrifft dies die sogenannten „Hadramischen Elitetruppen“, deren Einsatz mit Antiterror-Kampf argumentiert werden und die in Geheimgefängnissen routinemäßig foltern. Hier schreibt der Bericht:

„The Panel finds that, even if these individuals were associated with AQAP, the Government is obliged under international humanitarian law and international human rights law to ensure that the Hadrami Elite Forces, or any other forces operating on the ground under the authority and/or control and/or with the consent of the Government, comply with relevant legal requirements and procedural safeguards regarding deprivation of liberty…. Given that the United Arab Emirates also has ground forces operating in Mukalla, its Government has similar obligations. The United Arab Emirates has informed the Panel that the coalition has provided “military, financial and training assistance” and “intelligence, logistic information and aerial intervention” to the Hadrami Elite Forces, which are under the control of the legitimate Yemeni Armed Forces“.

(in deutscher Übersetzung:

“Der Ausschuss  stellt fest, dass selbst wenn einzelne Personen mit AQAP in Verbindung standen, die Regierung gemäß internationaler humanitärer Bestimmungen und der Menschenrechtskonvention verpflichtet ist zu gewährleisten, dass die Hadrami Elitestreitkräfte oder andere mit Billigung, Leitung oder Zustimmung der Regierung agierenden Streitkräfte die gesetzlichen Bestimmungen und verfahrensrechtliche  Sicherheitsmaßnahmen  hinsichtlich Freiheitsberaubung einhalten … Da die VAE auch in Mukalla Streitkräfte einsetzt, unterliegt die Regierung ähnlichen Verpflichtungen. Die VAE hat den Ausschuss informiert, dass die Koalition den Hadrami Streitkräften, die den legitimen jemenitischen Streitkräften unterstehen, militärische, finanzielle und ausbildnerische  Unterstützung“, aber auch „ Geheimdienstinformationen, logistische Informationen  und  Luftangriffe vermittelt hat.“)

Für Verbrechen und Verletzungen von Rechten durch die Hizam-Truppen werden also auch die Emirate haftbar gemacht, auch wenn die Hizam-Kräfte pro forma als jemenitische Regierungskräfte firmieren. In Wirklichkeit übt das Hadi-Regime keine Kontrolle über die Hizam-Truppen aus.

  • Interessant ist auch der minutiöse Bericht über Versuche eines Sohnes von Ali Abdullah Saleh und Bruders von Ahmed Ali Saleh, Khaled Ali Saleh, die über erstere verhängten Sanktionen, insbesondere das Einfrieren von Konten, zu umgehen und Gelder zu waschen. Das Panel hat die Wege der Gelder (insgesamt dreistellige US-Millionen Dollarbeträge) in sechs Banken in sechs Ländern verfolgt. Bei den sanktionierten Houthi-Führern konnten hingegen keinerlei Geld-Bewegungen im Ausland festgestellt werden.
  • Der derzeitige Machtbereich von Ali Abdullah Saleh wird sorgfältig hinterfragt und führt zu dem Schluss, dass Saleh nach wie vor über starke Macht verfügt und dies vor allem über seine in dreißig Jahren aufgebauten Netzwerke innerhalb der Stämme, beim Militär und bei seiner Partei Moutamar. Als in Kriegszeiten besonders wirksam wurden seine engen und stabilen Bindungen zu den gewöhnlich nicht dauerhaft loyalen Stämmen genannt, die er durch geschickte Heiratspolitik seiner zahlreichen Töchter und Söhne gestärkt und stabilisiert hat.
  • Der Bericht beschreibt auch am Beispiel von jeweils 10-12 minutiös nachgewiesen Übergriffen die Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung auf beiden Seiten. Die Fälle wurden durch diverses Dokumentationsmaterial belegt, jedoch wurde es dem Panel nicht erlaubt, vor Ort zu. recherchieren.

Der vollständige UNO-Bericht als pdf

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Hilfe für Hodeidha

Dear Dr. Anisa,

Shortly after my last email to you, Ms. Noria had kindly handed over the sum equivalent to 1000 euros which your organization had contributed to our relief initiative in Hodeidah.

Last week we used the amount to buy food assistance packages, which included 25 kg flour, 5 kg sugar and a bag of tea, for 62 families from different villages in Al-Kadan area in Al-Hodeidah governorate.

I would like to use this opportunity to thank you and your organization for all your great efforts and contributions aimed at relieving the sufferings of the people of Yemen that are caused by the brutal and inhumane aggression and blockade of the Saudi regime.

Attached are some photos that were taken at the time of assistance distribution.

Best regards,

Osama Alamrani

 

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Newsletter 19

In den letzten Wochen hat sich die militärische Lage im Jemen nur wenig verändert, doch wurden die bewaffneten Auseinandersetzungen schwächer, abgesehen von einigen erstarrten Frontlinien. Zwar bombardiert die saudische Luftwaffe nach wie vor mit Cluster- und anderem Bombenmaterial den Nordjemen bis ins südliche Taiz, doch ist die Frequenz der Bombeneinsätze derzeit geringer. Militärisch besonders aktiv ist hingegen alQaida: Sie kämpft in alBeidha, Schabwa und Abyan um ihre Rückzugsgebiete gegen die Houthi/Saleh-Truppen und mit den Hizam-Brigaden um ihr Überleben im Süden.

Friedensgespräche haben unter den Vorgaben und Bedingungen der „Internationalen Gemeinschaft“, bestehend aus US, UK, KSA und VAE, derzeit keine Chance und werden auch immer wieder verschoben. Dennoch werden in diesen Wochen die Weichen für die zukünftige Ausrichtung in den einzelnen Landesteilen gestellt. An diesen vorläufigen Nachkriegsentwicklungen lässt sich ein Auseinanderdriften der einzelnen Landesteile feststellen. Diese Veränderungen werden am meisten in den größeren Städten offensichtlich, wo sich die neuen Ordnungsmächte zu konsolidieren versuchen.

Aden

In Aden ist 18 Monate nach Ende der Kriegshandlungen die Infrastruktur der Stadt fast wieder funktionsfähig, obwohl es immer wieder Stromausfälle gibt. Zwar wurden moderne Dieselgeneratoren aus den Emiraten nach Aden gebracht, doch diese müssen wegen Treibstoffmangel zeitweise abgestellt werden. Auch die Abwasser- und Abfallentsorgung funktioniert jetzt besser. Die immer wieder angekündigte Inbetriebnahme des Flughafens ist jedoch nur eingeschränkt eingetreten: eine neu gegründete private „Queen Bilqis Airline“ soll Aden und Mukalla-Ryan mit internationalen Zielen versorgen. Auch großartige Ankündigungen der Wiederinbetriebnahme des Hafens gehen nur schleppend voran. Die Universität Aden war zwar bis auf drei Monate im Frühjahr 2015 stets in Betrieb, doch wurden nun die gesetzlichen Voraussetzungen und Studienordnungen sowie Stellenbesetzungen für die Absolvierung regulärer Studien geschaffen. Gerichte, Sicherheitsorgane und die öffentliche Verwaltung funktionieren jedoch noch immer nicht.

Bild: Neue Dieselgeneratoren in Aden aus den Emiraten sind wegen Treibstoffmangel zeitweilig außer Betrieb.

Seit Ende November ist Abdrubbah Mansur Hadi im Präsidentenpalast Maschiq in Aden-Tawahi ansässig, den er jedoch aus Sicherheitsgründen nur selten verlässt, zuletzt zu einem einwöchigen Abstecher nach Mukalla. Kritiker fürchten, dass Hadi einen Ausverkauf jemenitischer Ressourcen und Interessen betreibt, um die Kosten seines Regimes zu finanzieren.

Ende Dezember wurde – nach der Verlagerung der Zentralbank von Sana´a nach Aden – den Armeeangehörigen erstmals seit drei Monaten der Sold ausgezahlt und damit die Lage etwas beruhigt. Aden als „provisorische Hauptstadt“ sollte laut Hadi zur Modellstadt werden, doch dies ist bisher gründlich misslungen, vor allem aufgrund der instabilen und unsicheren Lage in der Stadt. Die Autobombenanschläge, die Daasch zur Eigenwerbung und Rekrutierung nützt, töten und verwunden in periodischen Abständen vor allem junge Rekruten in Massen. Zeitweilig haben in Aden bis zu 18 bewaffnete Gruppierungen und Milizen agiert, das Chaos und die Verunsicherung der Bevölkerung eskaliert. Alle 100 Meter gab es Checkpoints, an denen verschiedenen Milizen Kontrollen durchführten und „ihre“ Territorien bewaffnet abgrenzten.

Bild: Daasch wirbt mit dem Bild des jugendlichen Selbstmordattentäters mit Sprengstoffgürtel, der am 19.12. 2016 in Aden 40 Soldaten tötete und 50 verletzte

Zahlreiche Adanis haben gegen die Missstände demonstriert, Reifen auf den Straßen verbrannt und Blockaden errichtet, aus Protest gegen den Benzinmangel, die Stromabschaltungen, das Fehlen öffentlicher Dienstleistungen und die Unsicherheit. Auch die Sezessionisten bekamen wieder Auftrieb.

Hadi versucht nun, Oberhoheit über die Milizen entweder zu gewinnen oder sie zu eliminieren. Am wichtigsten sind dabei die sogenannten „Hizam-Brigaden“ (Sicherheitsgürtel). Dabei handelt es sich um Verbände in den südlichen Provinzen, die von den Emiraten (eventuell auch von KSA und Qatar) geschaffen und finanziert werden. Die bisher ca. 15.000 Sicherheitskräfte der „Hizam“ wurden im Südjemen rekrutiert und von emiratischen Offizieren insbesondere in Terrorbekämpfung in vier Provinzen ausgebildet und sollen gezielt gegen alQaida und Daasch eingesetzt werden, weshalb sie auch Zielscheibe der beiden Terrororganisationen sind. AlQaida wächst derzeit auf Kosten von Daasch, möglicherweise weil es ersterer gelingt, Widerstandskräfte gegen die „Besatzungstruppen“ zu mobilisieren und es Militär, politische Führungskräfte und auch Kleriker tödlich bekämpft. Andererseits soll das oberste Kommando der Hizam aus fundamentalistischen Salafisten bestehen. Bis jetzt haben sich die Hizam bei der Adaner Bevölkerung nicht beliebt gemacht, weil sie rigoros übergriffig agieren und bisher nicht dem Kommando Hadis folgen, sondern direkt von den Besatzungsmächten finanziert und daher fremdbestimmt sind. Sie bedrohen die Bevölkerung und führen eigene Gefängnisse. Die Spannungen zwischen Hadi und den Hizam-Verbänden weisen auch auf erhöhte Spannungen zwischen Hadi und den Emiraten hin. Es scheint, dass die Emirate Hadi nur halten, weil sie für rechtlich verbindliche Eingriffe im Süden eine legalisierte Rechtsperson benötigen.

Marib

Gouverneur der zentralen Provinz Marib mit bedeutenden Öl- und Gas-vorkommen ist der Hadi-treue Sultan alArada, der bisher auch mit der saudischen Besatzung kooperiert. Offensichtlich steht auch die Mehrzahl der Stämme, die in Marib die stärkste gesellschaftliche Kraft stellen, hinter dem Salafisten Arada. Marib war der erste Stützpunkt der saudischen Bodeninvasion im Mai 2015, die gleich zu Beginn einen schweren Rückschlag durch einen Raketenangriff erlitt. Seitdem beteiligen sich saudische

Truppen nicht mehr direkt an den Kämpfen am Boden. Zwar gibt es in Marib wie auch in den südlichen Provinzen ausländisches Militär, vor allem aus den Emiraten, Saudi Arabien und den USA, doch hält es sich aus Sicherheitsgründen in den Kasernen und Armeelagern verschanzt. Gekämpft wird seit einem Jahr ohne größere Verschiebungen des Frontverlaufs nur im gebirgigen Westen der Provinz Marib an der Grenze zu Sana´a-Umgebung, vor allem in der ehemaligen sabäischen Metropole Sirwah und in Nehm. Die Provinzhauptstadt Marib ist derzeit eine stämmisch geprägte Kleinstadt mit etwa 30.000 Einwohnern, scheint aber eine bedeutendere Zukunft zu haben, denn in letzter Zeit hat eine rege Bautätigkeit eingesetzt. Es werden viele private Häuser neu errichtet. Bauherren sind vor allem Zugereiste aus den von den Houthis besetzten Gebieten. Es sind vor allem Proponenten der Islah-Partei, Anhänger der Salafisten, der Muslimbrüder, Stammesscheichs und Nordjemeniten aus dem Umkreis Hadis, sowie Proponenten des Moutamar, die sich vom Moutamar Salehs abgespalten haben und Hadi ins Exil gefolgt sind, die sich Marib zum neuen Wohnort auserkoren haben. Sie stammen aus Amran, Sana´a, Dhamar und anderen Städten des Nordens, die derzeit von den Houthis und dem Moutamar regiert werden. Offensichtlich rechnen diese Binnenflüchtlinge, von denen viele zwischenzeitlich außer Landes waren, nicht mehr damit, in absehbarer Zeit nach Sana´a oder die anderen Städte des Nordens zurückkehren zu können.

Sie gehen davon aus, dass längerfristig keine Rückkehr möglich und Marib Hauptstadt der Region Saba sein wird, und rechnen offensichtlich damit, dass die in der Nationalen Dialogkonferenz 2013/14 beschlossene Föderalstruktur doch noch umgesetzt wird und Marib Hauptstadt der Region Saba mit den Provinzen Marib, alJauf und alBeidha werden wird. Die Grundstückspreise in Marib schießen jedenfalls in die Höhe.

Taiz

Manche Beobachter vergleichen die Lage in Taiz mit jener von Aleppo. Seit Kriegsbeginn Ende März 2015 wird erbittert gekämpft. Dass gerade die liberalste, reichste und freieste Stadt des Jemen zum Schauplatz erbitterter und z.T. sektiererischer Kämpfe wurde, erscheint wie eine Ironie des Schicksals. Der Stadtkern von Taiz wird von einer Widerstandsbewegung gehalten, die unter der Führung von Hamud alMikhlafi die in einer Mulde gelegene Stadt mit allen Mitteln, insbesondere Artillerie zu halten versucht. Der Volkswiderstand im Stadtgebiet von Taiz ist salafistisch geprägt und repräsentiert sicher nicht die Grundhaltung des Großteils der Bevölkerung, die nur noch Frieden wünscht. Auf den Bergen rund um Taiz belagern die Verbände der Houthis und Salehs die Stadt und nehmen sie mit schweren Geschossen unter Feuer. Nach 20 Monaten Krieg sind Teile der Stadt so zerstört wie Aleppo. Häufig werfen zudem die Flugzeuge der saudischen Koalition Bomben über der Stadt und dem Umland ab. Beide Kriegsparteien, insbesondere aber die Belagerer haben sich der Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht. Zahlreiche der über eine halbe Million Einwohner sind aus den östlichen umkämpften Vierteln der Stadt geflohen. Der Belagerungsring um die Stadt hat zu einem schweren Versorgungsnotstand an Medizin und Lebensmitteln geführt. Die Güter werden auf Eselspfaden in die Stadt geschmuggelt und sind nur zu erhöhten Preisen erhältlich.

Bild: Mitglieder der salafistischen Miliz „Volkswiderstand“, die vom Volk mehrheitlich nicht geschätzt wird, im weitgehend zerstörten Taiz

„Shooting and looting“ ist die Taktik der Milizen im „befreiten“ Taiz, wo sich aufgrund der bewaffneten Eskalation und der Not der Bevölkerung der Hass zwischen fundamentalistischen Sunniten und Zeidis aufschaukelt. Verlassene Häuser werden umgehend von den salafistischen Milizionären geplündert, Einwohner verschleppt und bleiben oft wochenlang verschwunden. Es gibt auch Beschwerden, dass die Milizionäre nach der Eroberung von Straßenzügen die Haustüren durch Schüsse öffnen und dann plündern. Kein Gebiet, keine Stadt im Jemen – außer Saada – wurde so brutal vom Krieg heimgesucht wie Taiz. Gerade der Mittelstand leidet am meisten unter dem Krieg: Häuser werden zerstört und geplündert, viele Schulen sind geschlossen, öffentliche Bedienstete haben monatelang keine Gehälter ausgezahlt bekommen, viele sind arbeitslos und müssen ihre Ersparnisse oder ihr Hab und Gut verkaufen um zu überleben. Kühlschränke, Fernsehapparate, Waschmaschinen und Möbel aller Art sind am Markt von Taiz zur Hälfte des Wertes angeboten. Viele Menschen fühlen sich zwischen den Fronten von beiden Seiten terrorisiert. Ein geplagter Taizi:

“Ich habe weder zu den Houthis noch zur Widerstandsbewegung Vertrauen, weil beide sich nicht um die Zivilbevölkerung kümmern“. Geplündert wird aber auch in von den Houthis besetzten Gebieten im Umland von Taiz.

Dennoch ist die Lage in Zonen unter Houthi-Kontrolle wesentlich besser, weil Polizei, Schulen, Krankenhäuser, Gerichte im Gegensatz zu den von den Milizionären besetzten Gebieten funktionieren. Zeitweise haben auch alQaida-Kämpfer an der Seite des „Volkswiderstands“ gegen die Houthi-Belagerung gekämpft, derzeit soll dies nicht der Fall sein. Tatsache ist aber, dass die Milizen die Reste von Ordnung eher zerstören und Anarchie verbreiten. Damit schaffen sie ein ideales Klima für die Terrororganisationen.

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Newsletter 18

Am 31.10. berichtete der UN-Sondergesandte für den Jemen, Ismail Ould Scheich Ahmed, vor dem UN-Sicherheitsrat über seine Lagebeurteilung im Jemen. Er musste die Erfolglosigkeit seiner jüngsten Bemühungen eingestehen, weil der dreitägige Waffenstillstand nicht verlängert werden konnte und seitdem das Gewaltpotential der Angriffe weiter anstieg. Sowohl die Houthi-Saleh-Fraktion in Sana´a wie die Exilregierung in Riad haben die neueste Roadmap Scheich Ahmeds abgelehnt.

Dessen Marschroute sah vor, dass ein militärischer und ein Sicherheitsrat gebildet werden, welche die vorgesehenen Schritte wie Rückzug der Ansarallah/Moutamar aus den Städten Sanaa, Taizz und Hodeidah (wer soll wohin gehen?) und die Übergabe der Waffen (an wen?) überwachen sollen. Aufgabe der beiden Gremien wäre es außerdem, die vollständige Beendigung der militärischen Auseinandersetzungen und die Sicherheit der Bevölkerung und der staatlichen Einrichtungen zu garantieren.

Die Roadmap sieht parallel dazu politische Maßnahmen vor, wie die Ernennung eines Vizepräsidenten (wer ernennt ihn auf Grund welcher Kriterien?) und die Bildung einer Einheitsregierung vorsehen, welche den Übergangsprozess und die Wiederaufnahme des politischen Dialogs leitet, dann den Verfassungsentwurf fertigstellt und schließlich zu Wahlen führt.

Scheich Ahmed führt das Scheitern seiner Roadmap darauf zurück, dass

„the political elite in Yemen remains unable to overcome their differences and prioritize national, public interest over personal interests. It is time for the parties to realize that there can be no peace without concessions, and no security without agreement. They should base their positions on the question of how to ensure security and stability for the Yemeni people.“

Diese Schuldzuweisung an die jemenitische Elite ist sicher korrekt, übersieht aber, dass die Art und Weise, wie die UNO im Jemen zwischen den Konfliktparteien agiert, völlig asymmetrisch und parteiisch ist. Zunächst ist zu unterscheiden zwischen den jemenitischen Konfliktparteien und den kriegführenden Nationen, die nicht identisch sind.

  • Am UNO-Verhandlungstisch sitzen eben nur die Vertreter der Eliten, die um ihren Machterhalt kämpfen, und nicht die verschiedenen Interessensvertretungen des Südens, neuere politische Parteien, Gruppen der Zivilgesellschaft, Frauen, Minderheiten, regionale Interessensverbände – nämliche jene, welche einen Friedensschluss dringend herbeiführen wollen. Die Verhandlungsführung der UNO forciert demnach den Machtkampf der Eliten und damit die Fortsetzung deren Machtkampfes.
  • Die Kämpfe finden an den Fronten in alJauf, Marib, alBeidha, Lahij, Taizz, an der Rotmeerküste und auf saudischen Territorium statt. Die Krieg führenden Parteien, welche einen Waffenstillstand herbeiführen könnten, verhandeln aber gar nicht miteinander.
  • Dies sind auf der einen Seite der bewaffnete Arm der Houthis und die Saleh-treuen Militäreinheiten, welche einen Großteil des ehemaligen Nordjemen militärisch in Besitz genommen haben. Sie bilden eine relativ klar abgegrenzte militärische Einheit und werden von lokalen Milizen und Stämmen unterstützt.
  • Der Kriegsgegner ist Saudi Arabien, welches unterstützt von den USA, Großbritannien und dem Rest der Koalition einen seit 26.3.2015 andauernden nur sporadisch unterbrochenen Luftkrieg gegen das von den Houthi/Saleh besetzte Gebiet führt und am Boden von einer schwankenden und schrumpfenden Anzahl von diversen Söldnereinheiten, lokalen Milizen der Salafis, der Sezessionisten, Widerstandsgruppen mit sehr verschiedener Motivation und zunehmend von alQaida unterstützt werden. Exilpräsident Hadi ist einerseits völlig abhängig von seinem Gastgeber Saudi Arabien, hat selbst keinen militärischen oder politischen Rückhalt, weder im Nordjemen, noch im Süden, gibt aber vor, die Interessen des Jemen und der Jemeniten legitim zu vertreten. Er ist auch nicht bereit, politische Macht an einen Vizepräsidenten abzugeben, sondern will seine Macht als „international anerkannter Präsident“ behaupten.
  • Die den Luftkrieg führenden Parteien Saudi Arabien, die USA, die Emirate und Großbritannien treffen sich, teils auch mit anderen „Freunden“ des Jemen, zu Gipfeltreffen, auf denen es heißt, der Krieg müsse aufgrund der humanitären Lage schnellstens beendet werden, sie selbst sind aber offensichtlich nicht einmal bereit, über eine Einstellung der Luftangriffe zu verhandeln. Die USA und GB versuchen sich von den Massenbombardements auf Zivilisten im Jemen wegen der Kritik im eigenen Land immer mehr abzukoppeln, doch können saudi-arabische F 16 gar keine Bombenflüge in den Jemen ohne Auftanken durch US-Tankflugzeuge durchführen. Die USA könnten also den Bombenkrieg jederzeit stoppen, wollen es aber offensichtlich nicht.

Die Jemenagenda der UNO steckt wegen der völlig asymmetrischen Konstruktion von Verhandlungsebenen, fehlenden Verhandlungen der realen Kriegsgegner und Roadmaps in einer totalen Sackgasse, aus der zur Zeit kein Ausgang möglich scheint, zumal die UNO im Jemenkonflikt unter massivem Druck und Einflussnahme Saudi Arabiens agiert. Deshalb wird es auch kaum möglich sein, die Resolution 2216 des UN Sicherheitsrates zu revidieren, der die Unlösbarkeit des Konflikts erst zementiert hat. Hinzukommt dass der Jemenkrieg zunehmend eine Stellvertreter- oder Modellfunktion in einer Neuordnung des Mittleren Ostens einnimmt.

Seit Beginn Oktober werden die Kampfhandlungen gegen die jemenitische Zivilbevölkerung immer brutaler und gleichzeitig erhöht sich die Gefahr, dass der Krieg regionale Ausmaße annimmt, ja zu internationalen Konflikten führt, vor allem wenn es um den Schiffsverkehr im Roten Meer geht.

Am 1. Oktober beschossen die Houthi/Saleh-Verbände von der südlichen Rotmeerküste ein Militärschiff der VAE und beschädigten es schwer. Am 8. Oktober bombardierten die Saudis – mit US-Unterstützung – eine Begräbnisfeierlichkeit im Zentrum von Sana´a. Ziel war offensichtlich Ali Abdullah Saleh (der wohl im Ausgleich zum Machtverlust Hadi ausgeschaltet werden sollte, jedoch nicht anwesend war), sowie die Führungsriege des Moutamar und der Houthis. Mehr als 150 Personen, vor allem die Elite der Houthis und des Moutamar, starben im Doppelschlag, mehr als 500 wurden verletzt. Dann reklamierte der US-Zerstörer USS Masson, dreimal mit Geschossen von der jemenitischen Westküste angegriffen worden zu sein und zerschoss in Folge drei Radaranlagen der Houthi/Saleh. Offensichtlich befürchtete man dann doch eine internationale Eskalation im Roten Meer und die USA zogen die Behauptung zurück, es habe sich um Geschosse der Houthi-Saleh gehandelt. Man wusste nun nicht mehr, von wo die Geschosse und ob überhaupt welche auf die US-Masson abgefeuert wurden. Der vorläufig letzte Schlag ist eine Scud-Raketenattacke der Houthis in Richtung Mekka-Jeddah. Die Houthis behaupten, sie wollten den Militärflughafen in Jeddah treffen, von wo Bombenflüge in den Jemen starten. Saudische Medien hingegen behaupteten, der Raketenangriff, den sie abgewehrt hätten, sei auf die Kaaba in Mekka gerichtet gewesen und benützen diese Behauptung um massive antischiitische Propaganda in sunnitischen Ländern zu schüren.

Unterdessen eskaliert die humanitäre Situation unaufhörlich und wird durch von Hadi angeordnete Maßnahmen, wie die Verlegung der jemenitischen Zentralbank nach Aden (wo sie sogleich überfallen wurde) drastisch verschlimmert. Die öffentlichen Bediensteten, welche einen großen Teil der Arbeitnehmer stellen, haben seit zwei Monaten keine Gehälter erhalten, die Cholera breitet sich aus, die Zahl der schwerst unterernährten Kinder und Erwachsenen steigt ständig. Mehr als drei Millionen Menschen sind nun innerhalb des Landes auf der Flucht.

Und hier die Originalversion von Schech Ahmeds Uno Text

“The Roadmap foresees the creation of military and security committees, which would supervise withdrawals and the handover of weapons in Sanaa, Hodeida and Taiz. The committees would also be tasked with ensuring the complete end of military violence and the safety and security of the population and state institutions. The Roadmap also lays out interim political arrangements including the appointment of a new Vice President and the formation of Government of National Unity which would lead Yemen’s transition process and oversee the resumption of political dialogue, completion of the constitutional process and ultimately elections. I was informed, unofficially, that the parties have rejected the Roadmap. This demonstrates that the political elite in Yemen remains unable to overcome their differences and prioritize national, public interest over personal interests. It is time for the parties to realize that there can be no peace without concessions, and no security without agreement. They should base their positions on the question of how to ensure security and stability for the Yemeni people.

I should add that the worsening economic situation threatens to create a far greater humanitarian crisis in the coming months if urgent action is not taken. Salary payments for most civil servants have already ceased. This was a primary source of income for much of the population. Unless they are continued quickly, many more Yemenis will face destitution and be forced to rely on humanitarian aid to survive. There should be a commitment from all parties, including the Government of Yemen, the Houthis and GPC to collaborate to ensure the continued functioning of the Central Bank and a rapid resumption of salaries throughout the country.

Mr. President,

Despite the International Community’s calls for the Yemeni parties to fully commit to the peace process, the parties continued to embark on unilateral actions, which risk undermining the prospects for peace. On 2 October, the High Political Council established by the Houthis and GPC, asked the former Governor of Aden  to form a new government. President Hadi’s decision to replace the Governor of the Central Bank and relocate the Bank to Aden has created further economic uncertainty at a time when urgent measures to save the economy are necessary. Prime Minister Ahmed bin Dagher announced via social media plans to convene the National Body to ratify the draft constitution. I urge the parties to refrain from taking any further measures, which will only complicate reaching a negotiated settlement to put Yemen on the path to peace.

I conducted extensive consultations with the Yemeni parties and members of the international community over the last few weeks, and presented the parties with a comprehensive and detailed roadmap to end the conflict. The roadmap is consistent with Security Council resolution 2216 (2015) and other relevant resolutions, the GCC Initiative and its Implementation Mechanism, and the Outcomes of the National Dialogue Conference. The Roadmap contains a set of sequenced political and security steps, conducted in parallel, which would help Yemen return to a peace and orderly political transition.”

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Save Yemen before the famine rages

by Afrah Nasser

© Elmeri Kauko

Afrah Nasser is a multi-award winning Yemeni journalist and blogger focusing on Human Rights violations. She’s worked as a reporter at Yemen Observer newspaper (2008-2011) and started to blog about Yemen’s 2011 uprising onwards. Her blog was featured as one of the 10 must-read blogs from the Middle East by CNN and she has been featured twice as one of the 100 most influential Arabs by Business Arabian. In mid-2011, she became a political refugee in Sweden and continues to blog.

The war in Yemen has been often described by media as the forgotten war and in my view, that’s an inaccurate description. It’s rather a lucrative war; lucrative to the West and the East. It has been nineteenth months since the Saudi-led coalition, backed by the US and Britain, began its airstrikes campaign. This came following an attempted coup d’etat against president Abd Rabbuh Mansur Hadi by Yemen’s rebels group – the Houthis – in September 2014. Ever since, the West has been showing indifference to the tragedy in Yemen. As the US, UK and other Western countries have an interest in the arms sale with the Saudis, and a number of Arab countries are themselves members of the coalition, and the Houthi-Saleh coalition stands as deadly to thousands of Yemeni civilians, the international community is turning a blind eye to the atrocities in Yemen, mostly the silent death of thousands of Yemenis through starvation.
Towards the end of Yemen’s post-uprising transitional period in 2014, Yemen started to witness a counter-revolution movement, manifested in Houthis-Saleh alliance, each motivated by its own agenda. Houthis were discontent with the new political realignment preparing Yemen for a new ruling system (Federalism) and led by their political agenda in restoring a religious imamate and resuming their hierarchical supremacy. Saleh was led by resentment and aiming at crushing those who helped oust him in 2011. Over the coming months, the alliance began an aggressive military campaign against Saleh’s oppositional forces, which included president Hadi, after the Houthis descended to Sana’a and militarily took over the capital and stormed into Hadi’s presidential palace. Consequently, Hadi escaped to Saudi Arabia and sought support. In the name of restoring legitimacy in Yemen, Saudi Arabia formed a coalition consisting of 11 Arab states and launched its airstrikes campaign.

© Murad Subay

Midst this complex conflict, Yemeni people pay a heavy price as they are directly and indirectly affected. The human cost in Yemen war has reached a critical stage, causing the death of at least 10,000 people, the displacement of more than 3 million people and a worsening humanitarian situation for 80% of Yemen’s 27 million population. One of the devastating impacts of the war is hunger and the predicted famine unfolding itself in front of the world’s eyes and next to some of the world’s richest countries. Over half of Yemen’s population – 14.4 million Yemenis unable to meet their food needs and 19.4 million people lacking clean water and sanitation. As children are the most vulnerable, it is estimated that 320,000 children in Yemen face severe malnutrition. All these indicators are nothing but an early warning of a looming famine.

Hunger Causes

Prior to the ongoing conflict, several factors made Yemen not only one of the poorest countries in the world but also the poorest Arab country in the Arab region. In light of major domestic events, Yemenis have been suffering a life under overlapping deprivations. The foremost event was the return of about one million Yemeni guest workers from Gulf countries to Yemen in 1990 following the Iraqi invasion of Kuwait contributed greatly to needs of jobs, schools, healthcare and other basic social services. Then, in light of Yemen’s unification and the country’s failure to manage the challenges of integrating the North and the South’s economic systems and resolving the implications of the post-civil war period; all these events and much more had a devastating impact on the developmental growth of the country.
In 2009, nearly half of Yemen’s population were living under the poverty line. To be poor in Yemen meant to be food insecure, with no clean water, illiterate and unable to afford feeding your kids nutritious food. Thus, Yemen was repeatedly ranked at the bottom in the Human Development Index. Yemen even failed to achieve decreasing the hunger rate, which was one of the UN’s millennium goals. While all these figures were emerging, Yemen’s ousted president Ali Abdullah Saleh was busy piling up his wealth in billions.
Midst of a milieu of ongoing instability, corruption and unequal distribution of national wealth, and out of social inequality and major economic grievances, Yemen’s 2011 uprising broke out leading the country into a vicious circle of one political crisis after another impacting the already fragile economy to decline further.
As Yemen has been rolling into an eco-political shock after another over years, the ongoing conflict has tremendously exacerbated the food safety. For a country that relies on the import of 90 percent of its food commodities, it’s extremely difficult to cope with the current dire humanitarian situation. The World Food Program explains, “fuel shortages and import restrictions have reduced the availability of essential food commodities in the country.” As Yemen was already crumbling by the ongoing conflict, the occurrence of a couple of natural disasters in the past few years; from flash floods to powerful cyclone have had an appalling effect on the situation.

© Murad Subay

Man-Made Famine

Although the war is a contributory factor, hunger in Yemen is largely a man-made catastrophe for which both the Saudis and the Houthis bear vast responsibility. They are both using food as a systematic and strategic weapon in the war. A blockade over Yemen’s main ports has been placed by the Saudi-led coalition since the beginning of the war, denying flights and shipments of fuel, food and medicine supplies. According to a UN reporter, the Saudis as well forbid aid agencies from delivering humanitarian aid to Houthi-controlled areas. Over the past few months, a number of bridges used to transport UN food aid have been bombed by the coalition. In parallel, the Houthi-Saleh coalition has systematically put people to death in battled areas by denying besieged people access to water and food; this is evident formerly in Aden and currently in Taiz. As a quick solution, a black market for goods is thriving in the country, where only those few who can afford the high prices in the market can buy. The World Bank today estimates that almost all Yemen’s population live under the poverty line.

Silence is a War Crime

Millions of Yemenis are not only poor today but they are also in despair and hungry for both peace and food. As more than 21 million of people are in urgent need of humanitarian assistance inside Yemen, this catastrophe is more than anywhere else in the world, including Syria. As human rights issues blogger and activist, I am frustrated by the world’s apathy over the tragedy in Yemen. I always write and give talks about the situation in Yemen, and after describing the devastating current picture, I try to ask the world to imagine that Yemen was hit by an earthquake, hoping that this would encourage them to rally and help this impoverished nation. Instead Yemenis are met with worldwide indifference and left to die in silence. Not taking an action to save Yemen before the famine rages is a choice the the international community is making which unfortunately will be regarded as a disgrace to the international humanitarian system (22 September 2016).

Source: http://www.vidc.org/index.php?id=2782

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Newsletter 17

Statistische Daten zum Bombenkrieg

Eine kürzlich veröffentlichte unabhängige und unparteiische Untersuchung ergab erschreckende Ergebnisse hinsichtlich der Opfer und Schäden des Bombenkriegs der saudischen Allianz, die nicht dem militärischen Sektor zuzurechnen sind, sondern Zivilisten und die zivile Infrastruktur betreffen.

Die Untersuchung, welche auf open-source-Quellen beruht und Untersuchungen vor Ort einbezieht, ergab, dass zwischen Ende März 2015, dem Beginn des Bombenkrieges und Ende August 2016 mehr als 8.600 Luftangriffe von der Saudischen Koalition geflogen wurden. Von diesen 8.600 Bombenattacken haben 3.577 militärische Anlagen getroffen und 3.158 nicht-militärische Anlagen. In 1.882 Fällen konnte nicht eindeutig eruiert werden, ob das Bombenziel militärisch oder zivil war.

Die UNO hat die Zahl der Kriegstoten seit 18 Monaten mit mehr als 10.000 beziffert, von denen nachweislich 3.799 Zivilisten waren. Menschrechtsorganisationen haben wiederholte Verletzungen durch die Houthis dokumentiert, darunter den Einsatz von Landminen und wahllosen Beschuss von Wohngegenden, und haben bekanntgegeben, dass die jemenitische Zivilbevölkerung unter schweren Verletzungen, begangen von allen Seiten, zu leiden hatte und hat.

Das Yemen Data Project hat sich ausschließlich auf die Untersuchung der  Luftangriffe und deren Auswirkungen spezialisiert und hat auf Erhebungen der Opfer von Kampfhandlungen auf dem Boden verzichtet, weil zuverlässige und vollständige Nachweise nicht möglich waren, da der Zugang zu den Frontlinien verwehrt ist.

Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass insbesondere wiederholte Attacken auf Ziele, die eindeutig zivil sind, nicht zu rechtfertigen sind. Kollateralschäden können aus Fehlern in der Steuerung oder der Logistik erklärt werden, oder – in dicht bevölkerten Gebieten wie in Sana´a – aus der Nähe zu militärischen Zielen, aber die wiederholte Bombardierung von Schulen oder Krankenhäusern lässt solche Erklärungen nicht zu und verlangt nach genaueren Untersuchungen.

Aus der Karte der registrierten Bombenattacken der saudischen Allianz geht hervor, dass insbesondere das Stammgebiet der Houthis im Norden, Sana´a und Umgebung sowie Taizz und bis Juli 2015 Aden am meisten betroffen waren. 942 Angriffe trafen Wohngegenden, 114 Märkte, 34 Moscheen, 147 Schulgebäude, 46 Universitäten und 378 Transportwege oder Fahrzeuge.

Seit längerem gärt sowohl in Großbritannien wie in den USA Widerstand gegen die Beteiligung der jeweiligen Regierungen am Bombenkrieg. In letzter Zeit steigt der Widerstand in den Parlamenten gegen die Genehmigung von Waffenlieferungen, insbesondere von Bomben an Saudi Arabien.

Stammesversammlung in Arhab

Die bewaffneten Auseinandersetzungen auf jemenitischem Boden konzentrieren sich derzeit auf die Gebiete nördlich und östlich von Sana´a sowie auf Taizz. Im umkämpften Gebiet von Arhab wurde eine Stammesversammlung einberufen um die Loyalität der Stammeskämpfer für den „nationalen“ Sieg und gegen die feindlichen „Saudi Invasoren“ zu gewinnen. Die Stammeskämpfer werden mit Lebensmittelkontingenten und Bargeld belohnt und gelten bei dieser Vereinbarung nicht als käufliche  Söldner oder Legionäre, sondern als professionelle Krieger, die sich unter bestimmten Bedingungen öffentlich für eine Sache verpflichten.

Die Houthis sammeln bei der Bevölkerung Bargeld zur Finanzierung des Soldes der Stammeskämpfer ein, Beiträge, die mehr oder weniger freiwillig geleistet werden. Bargeld wird zur Zeit immer knapper im Jemen, weil Saudi Arabien versucht, unter Einschaltung von Exilpräsident Hadi nach der Zerstörung der Infrastruktur, der Belagerung und Aushungerung der Bevölkerung nun auch die jemenitische Zentralbank lahmzulegen um jede Wirtschaftstätigkeit für Millionen von Menschen zu unterbinden.

Exilregierung und „befreite“ Gebiete

Exilpräsident Hadi rief dieser Tage von Riad aus die Mitglieder seiner Regierung  auf, in den „befreiten“ Gebieten effizient für den Wiederaufbau und eine Verbesserung der Lebensbedingungen zu arbeiten. Im Lande wundert man sich: Wo sind die „befreiten“ Gebiete? Und wo die Regierung, die das bewerkstelligen soll?  Hadi hat seit 19 Monaten jemenitischen Boden, abgesehen von 2 Stippvisiten von ein paar Stunden, nicht mehr betreten, von seinem Premierminister bin Daghr hörte man ein paar Tage lang in Aden großartige Ankündigungen, aber dann nichts mehr. Die Bevölkerung Adens leidet auch 13 Monate nach Beendigung der Kriegshandlungen schwer unter der zerstörten Infrastruktur, der mangelnden Sicherheit und den Versorgungsmängeln.

Dennoch gibt es Hoffnung!

Dieser Tage erreichen uns aktuelle Bilder aus den Kaffeebergen der Provinz Raimah, die uns zeigen, der alte „biblische“ Jemen, Felix Arabia, lebt weiter.

 

zu sehen unter:

http://www.huffingtonpost.com/entry/yemenis-living-in-the-mountaintops_us_57d80d43e4b0fbd4b7bb6aa2

http://www.theatlantic.com/photo/2016/09/far-from-the-war-yemens-remote-mountain-villages/500585/

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