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Die Verhandlungen zur jemenitischen Friedenslösung in Kuweit wurden Ende Juni unterbrochen und eine Verhandlungspause während des Endes des Ramadans und der nachfolgenden Feiertage bis 15. Juli vereinbart. Die Delegationen der Houthi/Ansar Allah und des Moutamar/Saleh kehrten nach Sana´a zurück und jene der Regierung Hadi nach Riadh zu weiteren Besprechungen. Das Briefing im UN-Sicherheitsrat hat keine Fortschritte erbracht, kein Wunder, da es ja die UNSR 2216 ist, der eine Friedenslösung behindert. Es wird nun von Seiten der UNO und der interessierten Länder erwartet, dass sich die Fraktionen in dieser Zeitspanne auf eine Roadmap einigen. Ein Unterkomitee zur Überwachung des Waffenstillstands tagt unterdessen in Dharan in Saudi Arabien. Von saudischer Seite wird Druck ausgeübt, dass der Friedenspakt in Saudi Arabien abgeschlossen wird, was jedoch von der Houthi/Ansar Allah und der Moutamar/Salehfraktion abgelehnt wird. Das Bestreben Saudi Arabiens geht primär dahin, die „Ehre und das Gesicht  zu wahren“, d.h. den Krieg weder als Verlierer noch als Schuldiger zu beenden.

Die Kriegshandlungen sind jedoch nicht abgeschlossen, sondern an drei Fronten wird weiter gekämpft. Allerdings sind nun immer weniger ausländische Truppen involviert. Auf der einen Seite kämpfen Soldaten und „Volksmilizen“ der Houthi/Saleh, auf der anderen Seite vorwiegend jemenitische Söldner. Es handelt sich dabei vor allem um Stammesleute, die von saudischer Seite bezahlt und ausgerüstet werden. Fokus der bewaffneten Auseinandersetzungen ist die Wüstenprovinz alJauf, die östlich von Saada an Saudi Arabien grenzt, sowie die Gegend um Nihm, ca 30 km östlich von Sana´a. Diese Gebirgsgegend gilt als Einfallstor nach Sana´a und ist seit Beginn des Krieges im Zentrum der Auseinandersetzungen. Dritter Kriegsschauplatz ist nach wie vor Taizz, wo die in der Stadt verschanzten radikal-sunnitischen Milizen gegen den Belagerungsring der Houthi/Saleh ankämpfen. Mit größeren Gebietsgewinnen ist an den drei Fronten nicht zu rechnen.

Nur die von den Houthis-Saleh gehaltenen Gebiete werden von jemenitischen Kräften beherrscht, der Süden und Osten des Landes ist zunehmend fremdbestimmt, wobei neben Saudi Arabien und den Emiraten, die seit Beginn des Krieges federführend sind, nun auch Katar kräftig mitmischt und sich jemenitische Strohmänner aufzubauen versucht. Der katarische Emir Tamim traf kürzlich General Ali Mohsen alAhmar, der im Exil in Riadh die saudischen Truppen im Angriffskrieg gegen den Jemen berät und den Abdrubbah Mansur Hadi in einem Überraschungscoup im April d.J. zu seinem Vizepräsidenten gemacht hat. Wie erinnerlich, war Ali Mohsen zunächst Intimfreund von Ali Abdullah Saleh, der ihm ungeheure Bereicherung ermöglichte, wandte sich in der Revolution 2011 gegen ihn und musste vor den Houthis ins Exil nach Riadh fliehen. Inzwischen gilt er als Protagonist der Muslimbrüder und wird von den Emiraten daher desavouiert. Vor Ali Mohsen hatte Emir Tamim bereits den Innenminister der Regierung Hadi, Hussein Mohamed alArab, auch er ein früherer Parteigänger von Saleh, zu einem Informationsgespräch geladen. Wenn die Kataris Ali Mohsen und alArab nun zu ihren jemenitischen Leitfiguren machen, bedeutet dies auch, dass die Spannungen und Konkurrenzen innerhalb des Golfkooperationsrates eskalieren und sich  in den Jemen verlagern.

Wie ernst die Emirate ihre Vormachtstellung im Süden und ihre Ablehnung der Regierung Hadi seit der schmachvollen Absetzung von Khaled Bahah nehmen, zeigt eine kürzlich erhobene Klage von Ahmed bin Daghr, dem neu eingesetzten Premierminister, auch er ein abgesprungener Protegé von Saleh. Bin Daghr kam im Mai mit einem Rumpfkabinett in Aden an, um Regierungspräsenz zu demonstrieren und den „Wiederaufbau in Angriff zu nehmen“. Seitdem ist die Versorgungslage in Aden schlechter als je zuvor und auch jetzt im Ramadan gibt es nur selten Strom und Benzin. Ohne die religiösen Wohlfahrtsleistungen und internationale Hilfssendungen müssten wohl viele Adanis hungern. Bin Daghr klagte öffentlich, dass ihm und seinen Ministern bei ihrer Ankunft nur drei Räume im Regierungspalast alMaschiq zur Verfügung gestellt wurden und dass er und seine Mitstreiter zu fünft in einem Raum schlafen und leben müssten. Hinzu kommt, dass ihnen die emiratische Besatzungsmacht keine Bewachung zur Verfügung stellt, so dass sie sich in Aden nicht bewegen, ja eigentlich nur hausen aber nicht regieren können.

Dieser Hilferuf von bin Daghr entlarvt die Situation von „Präsident“ Hadi, der seit nunmehr 15 Monaten kein Standbein im Jemen hat, überall im Lande unwillkommen ist, aber in den Friedensverhandlungen dennoch beansprucht, wie ein Sieger zurückzukehren, nachdem die Houthis die Waffen niedergelegt und das Feld geräumt hätten.

Inzwischen dürfte auch vielen der Hadi-freundlichen internationalen Beobachter klar sein, dass es ein Fehler war, ausschließlich Hadi den internationalen Rückhalt zu gewähren, auf den er sich bei jeder Gelegenheit beruft, und ihn für geeignet zu halten, den Jemen wieder zu konsolidieren.

Die politische Ausgangslage im Jemen ist viel zu komplex um einfache Lösungen zu ermöglichen. Inzwischen nehmen in der lang andauernden Notlage der Bewohner auch lokale Konflikte zu, vor allem im Süden. In Aden hält sich das Gerücht, dass an der Wasser- und Stromverknappung auch Gegenspieler in der Provinzführung von alDhale schuld sind. Zwischen alDhale und den Nachbarprovinzen Lahij und Abyan sowie Aden ist das Klima aus historischen Gründen vergiftet. Die politischen Kräfte in alDhale agieren seit Kriegsbeginn noch feindseliger und haben eine eigene Miliz aufgebaut.

Die Lage in den unter Houthi-Kontrolle stehenden Nordprovinzen ist relativ stabil. Die Bürgerrechte sind in der gegenwärtigen Belagerungs- und Blockadesituation eingeschränkt, doch scheint die Houthi-Regierung

unter ihrem Revolutionsrat einigen Rückhalt zu haben. Insbesondere in Sana´a ist die Lage ruhig und friedlich, ja es gibt sogar sporadisch Strom – nach einem Jahr totaler Dunkelheit. Die Sana´ani warten auf die „lailat alqadr“ (die Nacht der Herabsendung des Koran) und bereiten sich auf das „aid alfitr“ (Fest des Fastenbrechens) , den Feiertag nach dem Ende des Ramadan am 6. Juli vor, an dem es neue Kleider, Festessen und Süßigkeiten für die Kinder geben soll. Der „Zakat“, jene Steuer, welche die Gläubigen zu Ende des Ramadan in Naturalien abliefern, wird hoffentlich auch den armen Familien und den Opfern des Krieges zu einem schönen Fest verhelfen.

Für den Personenverkehr ist der Jemen nach wie vor ein geschlossenes Land, es gibt keine zivile Luftfahrt von und nach Sana´a und Aden.

Verteilung von Lebensmittelrationen zum Ramadan durch eine der vielen

im Jemen aktiven Hilfsorganisationen

Fitr-Fest nach dem Ende des Ramadan: Neue Kleider und viele Süßigkeiten

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