Newsletter 23

Zwei Daten sind wichtig für die neuesten Entwicklungen im Jemen: der 21. September, an dem in Sana´a der dritte Jahrestag seit dem Einmarsch der Houthis gefeiert wurde, und die Tage seit dem 17. September, an denen die UNO-Vollversammlung in New York stattfindet.

Die Veranstaltung der Houthis am Sabain-Aufmarsch-Platz in Sana´a war ein schlagender Beweis für die realitätsfremde Einschätzung der „internationalen Gemeinschaft“ über die Lage im Jemen. Während  dem „international anerkannten Präsidenten“ Abdrubbah Mansur Hadi, der in Wirklichkeit seit drei Jahren ein Präsident ohne Volk und ohne Land ist, im UNO-Plenum in New York erlaubt wird, vor der ganzen Welt die Räumung des Jemen von „Aufständischen“ mit militärischen Mitteln zu fordern, demonstrieren gleichzeitig zigtausende Jemeniten, die seit 30 Monaten von den Schutzherren Hadis bombardiert wurden, Geschlossenheit und Einheit hinter der defakto-Regierung aus Houthis und Vertretern des Moutamar.

Sana´a, 21.9. 2017, Manifestation zum 3. Jahrestag der Einnahme Sana´as durch die Houthis

Sana´a, 21.9. 2017, Manifestation zum 3. Jahrestag der Einnahme Sana´as durch die Houthis

Unterdessen fordern die Hilfsorganisationen der UNO in Genf, aber auch andere internationale NGOs die Beendigung des Krieges, weil die Entbehrungen der Bevölkerung durch Not, Isolation und Seuchen alle tragbaren Normen überschritten haben. Sie fordern freien Zugang in alle Gegenden des Jemen, um den Menschen in abgelegenen Dörfern, die von der Außenwelt – außer von den Bomben der saudischen Koalition – abgeschnitten sind, Hilfe bringen zu können.

Grafische Darstellungen der Versorgungslage zeigen unterdessen ein Paradoxon auf: Die Lage der Bevölkerung ist in einigen, von den Emiraten „befreiten“ Gebieten des Südens, vor allem in Schabwah und Abyan, schlechter als in den von den Houthis regierten dicht besiedelten, zerbombten Gebieten des Nordens, die zum Großteil über den Hafen von Hodeidah notversorgt werden.

Während der Norden immer straffer von den Houthis regiert wird und sich nach diversen Krisen zwischen Saleh´s Moutamar und den dominanten Houthis eine pragmatische Machtteilung abzeichnet, lösen sich die Führungsstrukturen im Süden immer mehr auf. Hadi wird von der Besatzungsmacht der Emirate nicht akzeptiert und kann wohl auf Dauer nicht mehr in Aden Fuß fassen. Hadis Ministerpräsident Ahmed bin Daghr hat sich zwar mit den Besatzern arrangiert und zeigt sich öffentlich bei diversen Aktivitäten, hat aber keinen politischen Einfluss. Die emiratische Besatzung verhindert – ob durch Inkompetenz oder mit Absicht – jegliche Beruhigung und Konsolidierung der Lage und hält die Bevölkerung durch Mangelwirtschaft und Infrastrukturversagen in Schach. Gleichzeitig zieht sie die Daumenschrauben der Kontrolle durch bewaffnete Einheiten immer enger. AlQaida kämpft einen Zweifrontenkrieg gegen die Houthi-Saleh-Truppen im Grenzgebiet von alBeidha und Taizz einerseits und gegen die „Antiterror-Allianz“ der Emirate und der USA im Hadramaut, Aden und Abyan andererseits. Je nach Lage verbündet sich alQaida mit den Hadi-Resttruppen und mit saudiarabischen Söldnern.

Jemeniten, ob im Süden oder Norden, tendieren dazu, als Verursacher ihrer miserablen Lage Saudi Arabien und die Bombenlieferanten USA und Großbritannien festzumachen.

Jemeniten, ob im Süden oder Norden, tendieren dazu, als Verursacher ihrer miserablen Lage Saudi Arabien und die Bombenlieferanten USA und Großbritannien festzumachen.

Während die Lage im Norden ziemlich klar ist und die Konflikte offen zu Tage treten, sind im Süden mehrere bewaffnete und unbewaffnete Kräfte am Werk, die verdeckt agieren, was zur Verunsicherung der Bevölkerung weiter beiträgt und zu lokal verschiedenen Konstellationen führt.

Die UNO-Vermittlung, die unter Ban ki-mon vor allem die Interessen Saudi Arabiens vertreten hat, sucht unter Gutierres einen neuen Vermittlungsansatz, in den sich Kuweit einbrachte. Wichtigstes Zeichen für einen Neubeginn ist die Ernennung des Palästinensers Maan Schuraim zum Vertreter des in seiner Funktion bis Februar 2018 verlängerten OSEGY Ismail Ould Scheich Ahmed, der von den Houthis zur persona nun grata erklärt wurde. Schuraim wird nun die direkten Verhandlungen mit den Houthis und Saleh´s Moutamar führen, während Scheich Ahmed sich wohl weiterhin der Interessen Hadis und Saudi Arabiens annimmt.

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